Examensfeier des Instituts für Pharmazie und Biochemie

Von Marion Eberlin, Mainz / Im April nahmen 21 frischgebackene Pharmazeutinnen und Pharmazeuten nach bestandenem Zweiten Staatsexamen ihre Zeugnisse im Rahmen der traditionellen akademischen Abschlussfeier an der Johannes-Gutenberg-Universität entgegen. Sechs der Absolventen schlossen ihr Studium mit der Abschlussnote »sehr gut« ab.

Professor Dr. Thomas Efferth, Professor für das Fach Pharmazeutische Biologie am Institut für Pharmazie und Biochemie der Uni Mainz, begrüßte die Absolventinnen und Absolventen, deren Angehörige und Freunde sowie alle Gastredner der Feierstunde. Anschließend wurde für den Anfang April verstorbenen Professor Dr. Walter Schunack, der durch sein Pharmaziestudium und seine außerplanmäßige Professur in Mainz mit dem Institut eng verbunden war und Wesentliches für die pharmazeutische Chemie leistete, eine Schweigeminute eingelegt. Trotz dieses traurigen Anlasses betonte Efferth, dass dieser Tag jedoch ein Tag zum Feiern ist, denn er ist Abschluss und zugleich Neubeginn eines Lebensabschnittes für die Absolventen. Er hob hervor »Feste soll man feiern wie sie fallen – und heute ist der Anlass dazu!« In seiner Festrede hielt Efferth fest, dass die Examinierten bisher eher Konsumenten als Produzenten waren, sich dies im Berufsleben jedoch drastisch ändern wird. Er wies darauf hin, dass immer wieder auf das im Studium mühsam Erlernte zurückgegriffen werden kann, um es dann im Berufsleben eigenverantwortlich einzusetzen. Zudem ging er kurz auf die Forderung von Bundesgesundheitsminister Rösler im aktuellen Eckpunktepapier zur Neuregelung der Apothekenbetriebsordnung ein: Apotheker sollen sich zukünftig auf ihr Kerngeschäft konzentrieren. Abschließend bekräftigte Efferth seine Glückwünsche und betonte, dass die Zugehörigkeit der Absolventen zum Institut mit diesem Tag nicht beendet ist, sondern sie bei Heimweh nach den guten alten Zeiten gerne wieder einmal im Institut vorbeischauen können.

Im Anschluss richtete Pharmazierat Peter Stahl, Vizepräsident der Landesapothekerkammer Rheinland-Pfalz, einige Grußworte an die Mainzer Absolventen und gratulierte ihnen ganz herzlich zum bestandenen Zweiten Abschnitt der Pharmazeutischen Prüfung. Es ist ein Moment des Glücks und der Freude für die Examinierten und für die Eltern auch ein Moment des Stolzes, über das von ihren Kindern Erreichte. Stahl ging daraufhin auf die momentan diskutierte Rolle des Apothekers ein und betonte, dass es dem Apotheker möglich sein muss, eine Apotheke mit dem reinen Kerngeschäft wirtschaftlich zu führen und dass sich Drogerien im Falle einer Neuregelung ebenfalls auf ihr Kerngeschäft konzentrieren müssten. Die angehenden Pharmazeutinnen und Pharmazeuten müssen sich laut Stahl künftig kritisch mit solch aktuellen Themen auseinandersetzen und sich in und mit ihrem Berufsstand positionieren.
Des Weiteren überbrachte Dr. Anton Miesen, Leiter der Abteilung Öffentliches Gesundheitswesen und Pharmazie des Landesprüfungsamtes für Studierende der Medizin und Pharmazie in Rheinland-Pfalz, seine Grußworte und Glückwünsche an die Anwesenden. Er versprach, dass das Berufsleben viele spannende Momente für die frischgebackenen Arzneimittelfachleute bereithalten würde. Miesen wies darauf hin, dass von Arzneimittelfälschungen im Internet ein hohes Gefahrenpotenzial ausgeht. Das erlernte Wissen der Pharmazeuten wird mehr denn je zur Einhaltung der Anforderungen des Arzneimittelgesetzes benötigt, denn Apotheker tragen zur notwendigen Sicherheit bei, zum Beispiel bei der Arzneimittelherstellung sowie dem Vertrieb von Arzneimitteln. Zudem sind sie in der Lage, Arzneimittelrisiken abzuwehren. Auch bei Fremdinspektionen durch europäische Behörden in Drittländern wie Indien und China, kann laut Miesen nur beurteilt werden, ob die Herstellung et cetera lege artis abläuft, wenn man etwas von Arzneimitteln versteht. Miesen erkannte, dass auf die zukünftigen Apotheker aufgrund der demografischen Entwicklung viel Arbeit und Umstellungen zukommen werden, motivierte sie jedoch, trotz aller Turbulenzen am Berufsethos festzuhalten.
Dr. Michael Stein, Geschäftsführer der DPhG, verkündete stolz die Attraktivität der DPhG mit mehr als 10 000 Mitgliedern und brachte zum Ausdruck, dass die DPhG ein großes Interesse daran hat, die deutsche, wissenschaftliche Pharmazie zu fördern, damit Pharmazie in Deutschland auch Wissenschaft bleibt. Zudem leiste die DPhG auch Öffentlichkeitsarbeit, nicht zuletzt deshalb, um die Apothekerschaft in der Öffentlichkeit zu Wort kommen zu lassen und sie kompetent darzustellen.

Den Höhepunkt der akademischen Abschlussfeier bildete der Festvortrag »Indischer Weihrauch – Auf dem Weg von der ayurvedischen Heilkunst zur evidenzbasierten Medizin« von Professor Dr. H.P.T. Ammon (emer.), Institut für Pharmazie, Pharmakologie, Toxikologie und Klinische Pharmazie der Universität Tübingen. Zu Beginn seiner Ausführungen übersetzte Ammon den Begriff Ayurveda ins Deutsche als »das Wissen von gesundem Leben«. Die ayurvedische Medizin wird weltweit häufig eingesetzt, insbesondere da die moderne Medizin nicht überall bezahlbar ist. Ammon ging im Weiteren auf die vielseitigen Eigenschaften der Zubereitungen aus Rinde/Harz von Boswellia serrata (= Weihrauch) ein, die seit Jahrtausenden in der Literatur beschrieben sind. Bis 1953 war Weihrauch ein Bestandteil des Deutschen Arzneibuchs, geriet dann jedoch aufgrund von Mangel an brauchbaren pharmakologischen und klinischen Daten in Vergessenheit. Weihrauch zeigt unter anderem adstringierende, kühlende und entzündungshemmende Eigenschaften und wirkt auf das Nervensystem, Magen-Darm-Trakt und auf die Atemwege. Ammon ging vor allem auf die entzündungshemmende Wirkung ein, erläuterte die Arachidonsäure-Kaskade und beschrieb den Nachweis der Reduktion der Leukotrien- und Prostaglandinproduktion durch Weihrauch und damit der Reduktion der Vasodilatation und Schmerzrezeptorenempfindlichkeit. Bei der Entschlüsselung der Inhaltsstoffe von Weihrauch (Schleim, ätherisches Öl, Terpene), konnte der Arbeitskreis von Ammon zwei wertvolle Säuren isolieren: Ketoboswelliasäure (KBA) und Acetylketoboswelliasäure (AKBA). AKBA zeigt besonders großen Einfluss auf die Lipoxygenase- und Cyclooxygenaseaktivität. Zudem beeinflussen beide Substanzen die C-3 Konvertase des Komplementsystems, was zu einer Hemmung von entzündungsvermittelnden Peptiden und der Anlockung von Phagozyten führt. Laut Ammon entfaltet Weihrauch hauptsächlich bei Autoimmunerkrankungen, wie rheumatoider Arthritis, Multipler Sklerose und Typ-1-Diabetes, seine Wirkung. KBA verhindert deutlich einen Anstieg des Blutzuckerspiegels bei provoziertem Typ-1-Diabetes in Mäusen und Ratten. Ammon stellte im Folgenden verschiedene randomisierte, placebokontrollierte und doppelblinde klinische Studien zum Einsatz von Weihrauch vor. Die Indikationsgebiete waren: Rheumatoide Arthritis, Colitis ulcerosa, Morbus Crohn, Asthma bronchiale und Hirntumore. Bei allen dargestellten Arbeiten wurden die mit der Erkrankung einhergehenden Symptome, wie Schmerz, Schwellung und Steifigkeit bei Rheumatoider Arthritis, durch den Einsatz von Weihrauch beziehungsweise der isolierten Substanzen KBA und AKBA deutlich reduziert. Nach der anschließenden Vergabe der Zeugnisse und Buchpreise für besonders he-rausragende Leistungen, richteten Vertreter der Fachschaft ihre Glückwünsche an die Absolventen und dankten besonders Liwa Yousfi und Oliver Wahl für ihr Engagement für die Studierenden. Den musikalischen Rahmen setzten Studentinnen der Hochschule für Musik in Mainz, Katrin Heyland am Klavier und Isabel Aguilera an der Violine.